Punkte sind nicht alles
Ganz nach Heimspielmanier fand der heutige Sonntags-Spieltag in der Anton-Saefkow-Halle statt. Nur waren nicht wir, sondern die Spartaner mit der Ausrichterrolle vertraut worden. Also eine kurze Anreise und “erst” 9:45 an der Halle sein, mehr ausschlafen kann man von einem Sonntag ja nun wirklich nicht erwarten! Parallel angesetzt waren auch unsere Trainingskollegen vom BVV 5, mit denen wir gemeinsam vor der Halle als “anonyme BVVler” versuchten, alte Bekannte unter den noch anwesenden vier Mannschaften auszumachen. Die Identifikation unseres anderen Gegners verlief vorab erfolglos, bis aufgedeckt wurde, dass der VfK Südwest II als Aufsteiger die erste Saison in der Bezirksliga bestreitet und sich ihre Gesichter deshalb noch nicht in unser Feindbild eingebrannt hatten. Aber da wir uns schon im ersten Spiel gegenüberstehen würden, bekamen sie gleich die Gelegenheit dazu.

Nach einer zeitverschuldet intensiveren Erwärmung ging es für Christian, Keule, Lucas, Clemens, Bohne, Philipp, Matze, Tom an die Bälle. Am Spielfeldrand wurde Gabi unterstützt von Moritz, der verletzungsbedingt Clemens die Ehre (wenn auch nicht das Debut) als Libero bescherte. Der erste Satz fing ziemlich unspektakulär an: Beide Mannschaften punkteten durch die Eigenfehler der anderen und das Spiel gestaltete sich schleppend. Mit einer Aufschlagserie über 6 Punkte brachte Tom, begleitet vom sich einspielenden Block unsererseits, ein bisschen Schwung in die Partie und zwang den VfK bei 6:10 zur Auszeit. Das Spiel auf der anderen Seite des Netzes stabilisierte sich fortan, bis zu einem Spielstand von 21:17 blieb die Punktedifferenz annähernd konstant. Doch, wie sollte es anders sein, sollte es nochmal spannend werden. Angefangen bei unserer schwächelnden Annahme war es uns nicht möglich, einen Punkt zu erzielen, bis Gabi bei 21:22 dann die Notbremse zog. Nach einer energischen Ansage wachten wir auf, konzentrierten uns, und nahmen unsere verlorene Initiative zurück. Mit einem lauten Knall beendete Keule dann nach einem souveränen Aufbauspiel den Satz bei 26:24.
Nach dem ersten Seitenwechsel hatten beide Mannschaften einigermaßen ins Spiel gefunden, sodass sich ein Satz mit sehr vielen erfolgreichen Side-Outs einstellte.Es war weder uns noch VfK möglich, sich zwischendurch um mehr als zwei Punkte abzusetzen, wobei die Führung dennoch hin- und herwechselte. Leider machten wir dabei die meisten Punkte – sowohl für uns als auch für den Gegner – aufgrund vieler vermeidbarer Eigenfehler auf nahezu allen Positionen. Die aufregende Geschichte, die das Spielprotokoll erzählt*, spiegelt daher nicht die Atmosphäre auf dem Spielfeld wider. Wirklich spannend wurde es dann zum Ende des Satzes, als Gabi bei 21:23 eine Auszeit nahm, nachdem wir drei Punkte infolge für unsere Kontrahenten erzielt hatten. Wir taten, was wir schon den ganzen Satz über hätten tun sollen, rissen uns also zusammen und erkämpften uns das 30:28.
Die gewonnene Erkenntnis drang jedoch erst zu uns durch, als VfK im dritten Satz bereits mit 14:8 führte. Nach dieser zweiten Auszeit von Gabi – die erste war bereits kurz zuvor beim Stand von 7:12 genommen worden – schlug Amon sicher auf und die Frontreihe blockte den BVV 4 zum 13:14. Von da an konnten auf der gegenüberliegenden Seite gegen unsere “Luft-Ho-Heit” keine zwei Punkte mehr am Stück erzielt werden. Mit 25:22 also beendeten wir Satz und Spiel zum verblüffenden 3:0.

Da wir gleich im Anschluss das zweite Spiel gegen Sparta zu spielen hatten, verteilten wir uns schnell auf Umkleide und Tribüne für ein leckeres Stück Kuchen der Kastens und einen Muffin von Keule. In der Halle war es wegen der Doppelbelegung inzwischen kuschlig warm geworden, sodass wir uns nur kurz einzuspielen brauchten, bevor wir mit regeneriertem Blutzuckerspiegel in die letzte Partie starteten. Nach einigem Hin- und Her, einem spannenden Duell in Schere-Stein-Papier und einer bereits gefällten Entscheidung hatte Clemens dann auch in der Zwischenzeit alle diplomatischen Bemühungen zunichte gemacht und erklärte sich bereit, seine stabile Leistung gegen Sparta als Libero fortzusetzen. So blieben wir bis auf einen Wechsel von Phil für Tom in der Aufstellung, mit der wir im letzten Spiel aufgehört hatten. Hatten wir es beim letzten Spieltag mit den Fernsehern zu tun gehabt, so ließ einigen von uns der Mannschaftsname SG Sparta auch keine Ruhe. Nachdem alle von uns zugestimmt hatten, die Spartaner nicht nach ihrem Handwerk zu fragen, sondern sie einfach krass nass zu machen, ging es dann endlich los.

In diesem Satz sollte Tom, der noch eine Rechnung mit den Gegnern offen hatte, nicht zwei Mal zur Aufgabe kommen. Innerhalb von einer Rotation stand es bereits 4:5. Ab dann machten aber nur noch wir große Sprünge auf dem Protokoll und ließen unsere Kontrahenten stetig hinter uns, bis Lucas mit druckvollen Aufschlägen ihre Annahme so in Bedrängnis brachte, dass sich der Angriff wie im Spiel zuvor an unserem Block festfraß. Dies katapultierte uns vom 19:18 direkt zum Satzende und Seitenwechsel.
Das Spiel gestaltete sich im darauffolgenden Satz ähnlich sprunghaft. Auf beiden Seiten konnten in bestimmten Rotationen viele aufeinanderfolgende Punkte erzielt werden, was uns beispielsweise bei 5:9 stark in Bedrängnis brachte und Gabi zur Auszeit zwang. Dabei stand und fiel alles mit unserer Annahme, welche uns im guten Fall sichere Side-Outs ermöglichte. Verärgert über die Tatsache, dass es wieder mal wir waren, die für die Punkte auf beiden Seiten verantwortlich waren, gewannen wir auch diesen Satz, mit 26:24. Die durch unsere schlechte Annahme und guten Block begünstigten kurzen Ballwechsel spiegeln sich auch im Protokoll wider: Im Gegensatz zum letzten Satz hatten wir eine komplette Rotationsfolge mehr vollzogen,letzten Endes mit 23 Minuten aber eine Minute kürzer gespielt! Den Sack zumachen hieß es also für den dritten Satz. Jedoch herrschte betrübte Stimmung, sodass wir zum 19:20 unsere anfängliche, leichte Führung aufgeben mussten.** Aus diesem Tief retten uns auch Gabis Auszeiten beim Führungswechsel, sowie kurz darauf bei 20:22, nicht mehr. Nach mehreren verständlich verärgerten Ansagen rafften wir uns nochmal auf, führten sogar kurzzeitig mit 25:24, brachen aber erneut ein und gaben den Satz schlussendlich ab (27:25).

“Spartaner! Was ist euer Handwerk?” schallte es beim Zusammenkommen plötzlich aus unserer Mitte. Leider verpassten wir die filmgetreue Reaktion und antworteten lediglich mit einem ordinären “Krass Nass!”, doch gingen mit einem Grinsen, aufgeheitert von Lucas’ Courage, auf unsere Positionen. Der Spaß war wieder zu spüren, der Frust war abgeschüttelt, und wir spielten diesen Satz endlich konsequent runter. Nicht einmal gaben wir unsere Führung wieder her. Einzig eine kleine Präventivauszeit musste Gabi bei 23:20 nehmen, bevor die Gegner vielleicht aufschließen konnten. Die gewünschte Wirkung trat sofort ein und der zweite grüne Zettel war uns beim Endstand von 25:20 sicher.

Vielen Dank an die tatkräftige Unterstützung unserer Zuschauer mit Kuchen, Klatschen und Anfeuern, die sich das Spektakel angetan haben.Man könnte behaupten, wir hätten es extra spannend gemacht, aber nach einem klaren Sieg fühlt es sich zugegebenermaßen nicht an. Wenngleich wir mit sechs Punkten auf dem Papier maximale Erfolge erzielt haben und in der Tabelle wieder ein Stück nach oben klettern konnten, so hat uns dieser Spieltag nur zu deutlich vor Augen geführt,woran wir arbeiten müssen, um unser Saisonziel zu erreichen. Ist ja gerade nochmal gut gegangen.

Über das gepfiffene Spiel möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen.***

 

* Dagegen sprechen die vielen beheiternden Schusselfehler, die sich im Protokoll eingeschlichen haben und auf einen vom Spielgeschehen unfassbar abgelenkten Schreiber hindeuten könnten. Neben vielen Durchstreichungen wurde beispielsweise mehrmals bei einer “10” einfach die Null vergessen, sowohl bei eingetragenen Auszeiten als auch bei der Rotation!

** Ein Highlight des Satzes bleibt jedoch hervorzuheben: Zum Satzende hin blockt Bohne den Angriff des gegnerischen Mittelblockers und der Ball fliegt nahezu senkrecht Richtung Hallendecke. Bohne landet, ergibt sich in der Hocke seinem Orientierungsverlust, “spielt” den herabfallenden Ball jedoch mit seinem Rücken wieder hoch und rettet den Tag.
*** Nur so viel: Es gab zwei rote Karten, beinahe einen unrechtmäßig angemeldeten Protest, ein Lob an die Schiedsrichterleistung, und die fairen Aufsteiger VfK konnten das Spiel im vierten Satz für sich entscheiden.

 

Amon

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